Dienstag, 12. Januar 2016

Update Januar 2016

Hallo Investoren!


Ich hoffe ihr seid gut ins neue Jahr gerutscht, was sich möglichst nicht auf die Kursperformence  der ersten Tage beziehen sollte. ;)

Aber so wären wir schon beim ersten großen Thema. Der schlechteste Jahresauftakt seit etlichen Jahren in Deutschland und den USA hat die Anleger schwer getroffen und zumindest die Meisten in dieser Stärke überrascht. Schwächere Wachstumszahlen und Börsenturbulenzen in China wurden zum Anlass genommen, die Reißleine zu ziehen. Meine beiden Wikifolios haben sich mit 2,5% Minus bzw. 1,0% Plus seit Jahresschlußstand 2015 recht gut gehalten. Ganz zufrieden bin ich natürlich trotzdem nie.

Aus meiner Sicht stellt sich die makroökonomische, rein fundamentale Seite weiterhin sehr zwiespältig dar, während die Nervosität an den Finanzmärkten aufgrund der Vielzahl einzelner Brandherde, sowohl konjunkturell als auch politisch, offenkundig zunimmt. Die Reaktion auf die Turbulenzen in China sind aus meiner Sicht zumindest mit Blick auf deutsche Unternehmen übertrieben (insbesondere wenn sie den Großteil der Umsätze hierzulande erwirtschaften) und vor allem auf der Basis der eher psychologisch getriebenen Kursstürze in China zu betrachten, denn die veröffentlichten Wachstumsdaten aus dem Fernen Osten empfand ich persönlich als nicht allzu weitreichend negativ. Während die Industrieproduktion in China lediglich langsamer wächst, ist der private Konsum weiterhin auf solidem Wachstumskurs. Auf der anderen Seite sind vor allem staatliche Industriebetriebe von zunehmender Nachfrageschwäche betroffen und arbeiten in vielen Fällen defizitär, was zu staatlicher Subventionierung führt, was auf die Dauer nicht gut gehen kann, zumal viele dieser Großbetriebe extra für diesen Zweck finanzieller Hilfe an die Börse gebracht wurden, und viele Privatanleger nun nach dem staatlich geförderten BörsenHype auf mehr oder weniger faulen Unternehmensbeteiligungen sitzen. Insofern sind konjunkturelle Risiken und spezifisch chinesische Zusammenhänge zur Börse nicht von der Hand zu weisen. Jedoch ist ein Großteil dieses vorangegangenen Hypes längst wieder zunichte gemacht bzw. eingepreist, so dass ich auf dem jetzigen Niveau daraus keine größere Gefahr mehr für die Börsen geschweige der deutschen Exportwirtschaft sehe. Die zuletzt gemeldeten Absatzzahlen deutscher Großkonzerne  brachten für China auch noch ungebremstes Wachstum, abgesehen von wenigen Autoherstellern und Zulieferern. Aus ökologischer Sicht (aber das ist ein anderes Thema) kann ich im Übrigen einem etwas gedämpfteren Wachstum, insbesondere der Automobilnachfrage für die chinesische Gesellschaft auch etwas Positives abgewinnen.

Mit China zusammenhängend, aber nicht nur aus diesem Grund, sind seit längerem stark fallende Rohstoffpreise zu verzeichnen. Nicht nur Öl liegt auf einem rekordverdächtigem Tief, auch die für viele Schwellenländer wichtigen Industrierohstoffe und Edelmetalle kennen seit längerem nur den Rückwärtsgang. Daher sind insbesondere Länder in Südamerika und Afrika und dort beheimatete Großkonzerne in schwere Schieflagen gekommen, was auch die Bilanzen deutscher Unternehmen in deren regionaler Segmentberichterstattung deutlich negativ beeinflusst.
Auch in Europa haben wir immer noch die bekannte politische Problematik mit Russland als auch konjunkturelle Probleme in wichtigen Staaten wie Frankreich und Italien, wo zudem hohe Staatsverschuldungen größere Wachstumsinvestitionen hemmen. In Italien gab es zudem nun auch noch Nachrichten von wieder in Schieflage gekommenen Banken. Dazu entzweit die Flüchtlingsdebatte die EU Mitgliedsstaaten.

Jetzt könnte man denken, ich wäre total skeptisch für die Aktienmärkte eingestellt, wenn man das alles komprimiert liest. Wer mich mittlerweile ein bißchen kennt, weiß aber, dass ich hinter jeder Krise auch eine Chance sehe und hinter jeder volkswirtschaftlich negativen Zahl auch ein positives Gegenüber. So haben der niedrige Ölpreis und andere Rohstoffe natürlich auch den Vorteil, günstigerer Kosten, sowohl für Unternehmen als auch Verbraucher, was die Konjunktur stützen kann, wenn die Politik die richtigen Maßnahmen einleitet. Ähnlich sieht es bei der sogenannten Flüchtlingskrise aus. Hohen Kosten für Integrationsmaßnahmen (die hoffentlich mit Nachdruck angegangen werden statt nur Worthülsen zu produzieren), steht kurzfristig eine höhere Konsumnachfrage, vielleicht ein Bauboom und zumindest in gewissen Teilen mehr Fachkräfte gegenüber, und langfristig eine jüngere Gesellschaft, bei all den Problemen, die die Integrationsaufgaben kurz- und mittelfristig mit sich bringen werden.
Und international sind viele der angesprochenen Problemmärkte durchaus in der Lage, auf die bei höheren Preisen aufgebauten Überkapazitäten zu reagieren bzw. abzubauen und mit nationalen Notenbankmaßnahmen und Innovationen in der Wirtschaft zu reagieren. Keine Krise dauert ewig, und meist haben Krisen auch einen bereinigenden Charakter, zumindest für die Wirtschaft insgesamt. Leider bleiben die sozial Schwachen dabei oft auf der Strecke. Dennoch bleib ich unverbesserlicher Optimist, jedoch natürlich mit einer guten Portion Realitätssinn.

Zur Realität gehört auch, dass die großen Aktienindizes (Dow Jones, S&P500, Dax, EuroStoxx) nun charttechnisch betrachtet deutlich angeschlagen aussehen, auch wenn sie meiner Meinung nach das Gröbste an Abwärtsbewegung schon hinter sich haben. Ich kann aber beispielsweise im Dax sowohl als Trendfolger als auch Wellentechniker Kurse von knapp 9300 oder knapp darunter in den nächsten Wochen nicht ausschließen, halte aber immer noch daran fest, dass ich den Dax am Jahresende höher sehe als zum Jahresbeginn. Dafür sprechen vor allem die nach wie vor niedrigen Zinsen, die aus meiner Sicht insbesondere im Dax und im Nebenwertesektor günstigen Bewertungen der Unternehmen (während mir die meisten TecDax-Werte mittlerweile zu teuer sind), und natürlich auch die weiterhin unterstützenden Maßnahmen der EZB und FED. Letztlich bleibt auf diesem Zinsniveau für Aktien weiterhin auch keine Alternative, auch wenn es nun umso mehr darauf ankommen wird, zu selektieren.

Und genau auf dieser Grundlage gehe ich derzeit mit einer etwas veränderten Strategie für meine beiden Wikifolios in das Jahr 2016.

Dem erhöhten Risiko aufgrund der weltweiten Krisen und der angeschlagenen Charttechnik trage ich dadurch Rechnung, dass ich zum Einen meine Cashquote in beiden wikifolios auf über 20% ausgebaut habe und zudem 3% (aktueller Stand) in möglichst sichere Short-Zertifikate investiert habe. Auf der Seite der Aktien habe ich eher konjunktursensible Werte ein wenig abgebaut und setze mehr auf konjunkturunabhängige Aktien (BVB, Ecotel), Aktien mit Sonderstories (Tom Tailor, S&T) oder sehr klaren Unterbewertungen (AT&S , Ecotel).

Die 3% Anlage in Shortzertifikate hemmt natürlich im Falle eines Anstiegs der Indizes die Performence des Wikifolios etwas, aber zum Einen gehe ich davon aus, dass meine Aktienwerte dann outperformen, und zweitens ist mir in der aktuell noch unsicheren Lage die Absicherung etwas wichtiger als die Kurschance. Bei meinen Wikifolios wird es keine Hasadeur-Aktionen mit hohen Risiken geben, sondern meine Wikifolios sollen die Märkte über längere Zeiträume ohne große Risiken outperformen. Und alles trotzdem unter der Prämisse, eine zufriedenstellende Rendite in jedem Jahr für die Investoren zu erwirtschaften. Meine aktuelle Zielstellung für das Jahr 2016 liegt bei 20% Performence, was zu Kursen von etwa 240 € im großen Wikifolio am Jahresende führen würde. Und in den letzten Jahren hab ich meine Zielstellung eigentlich immer erreicht bzw. übertroffen. Dabei habe ich eine Erwartung eines Dax-Stands am Jahresende von rund 11.000 Punkten, also einem eher geringen Plus von etwa 3%.

Gehobenen Wert lege ich in den nächsten Monaten aber auch auf das kleinere, spekulativer ausgerichtete Wikifolio. Auch dort werde ich natürlich auf fundamentale Gesichtspunkte der Unternehmen achten, aber spekulativer, kurzfristiger Traden, auch verstärkter mit Derivaten auf die entsprechenden Underlyings, um die vermutlich höhere Volalität der Märkte zu nutzen. Ziel ist es eine höhere Rendite als im großen Wikifolio zu erzielen, wobei man dabei natürlich eine höhere Volalität innerhalb des Jahres akzeptieren muss. Genug Cash hab ich aufgebaut, um nun verstärkt Traden zu können.

In den nächsten Tagen werde ich hier dann noch einige Einzelwerte besprechen, insbesondere die, die ich entweder hier noch nicht vorgestellt habe, oder die ich als besonders interessant erachte. Dabei werde ich auch noch etwas genauer auf mein kleineres Wikifolio eingehen.

Das war es vorerst von mir. Schaut aber in 2-3 Tagen nochmal vorbei! Dann sollten die ersten Postings zu den Einzelwerten online sein. Wer Fragen, Kritik und Anregungen hat, kann sich wie immer hier in der Kommentarfunktion verewigen. Ich werde versuchen, möglichst zeitnah darauf einzugehen.


Viele Grüße, katjuscha

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