Freitag, 15. Januar 2016

kleiner "black friday"

Eigentlich wollte ich ja heute mit den Einzelwerten beginnen. Stattdessen hielt mich der aus den Fugen geratene Markt in Atem. Leider kamen nun heute auch viele Nebenwerte unter die Räder. Die großen Wikifolios (und so auch meine) gingen heute auf breiter Front zwischen 3,5% und 5,3% ins Minus. Damit liegt mein großes Wikifolio nun 8% unter Allzeithoch und das kleine Wikifolio 6%. Da tröstet es heute erstmal wenig, dass der DAX allein seit Jahresende 12-13% verloren hat.

Besonders stark erwischte es meinen Depotwert Hypoport mit einem Minus von zeitweise bis zu 17%, was dafür spricht, dass die Anleger sich die Werte raussuchten und panisch verkauften, die noch etwas "Speck" am Kurs haben, also vor allem Highflyer des letzten Jahres. Aber auch fundamental sehr günstige Aktien mussten enorm Federn lassen, obwohl sie der niedrige Ölpreis gar nicht betrifft. Die Kurse bei Hypoport hab ich sofort zum Nachkauf genutzt, ohne zu wissen, ob ich dabei nur auf eine Gegenbewegung setze oder die zugekauften Stücke langfristig halte. Eine Gegenbewegung bis 67-68 € sollte allemal realistisch sein. Hypoport ist nach wie vor der wohl günstigste Fintec-Wert hierzulande.

Ein klassisches Beispiel ist mein Depotwert IVU Traffic, der nun doch nochmal unter 4 € zu haben ist, was ich kaum noch für möglich hielt. Denn IVU wird am Jahresende 2016 etwa 20-21 Mio € NettoCash ausweisen. Das heißt der Unternehmenswert wird an der Börse nur noch bei 48 Mio € gesehen. Das entspricht etwa dem 9fachen Überschuss.
Da IVU nur am Rande von der weltweiten Konjunktur beeinflusst wird, einen hohen Anteil wiederkehrender Umsätze und wie erwähnt eine vorzügliche Bilanz vorzuweisen hat, dürfte das Unternehmen nicht nur krisenresitent sein, sondern vielleicht sogar aufgrund Marktverdrängung oder auch durch günstige Übernahmen von einer Krise oder stärkeren Marktkorrektur profitieren. Heute hat das die Anleger leider nicht interessiert, auch nicht, dass IVU zusätzlich noch Fantasie durch die Ausschreibung von Großaufträgen aus Metropolen dieser Welt erhält, an denen man derzeit beteiligt ist. Kommt es dort zum Zuschlag für IVU, dürfte das eine Neubewertung der Aktie bedeuten. Zudem könnte IVU den hohen Cashbestand zu einem kleinen Teil für Dividendenerhöhungen oder Aktienrückkauf einsetzen.

Ganz ähnlich sieht es bei Ecotel aus, die heute nochmal unter 8 € und damit zu einem Unternehmenswert von 22-23 Mio € zu haben war, trotz eines EV/Ebitda unterhalb von 3. Im Jahr 2017 könnte es aufgrund des auflaufenden Cashbestands schon unter 2,5 fallen, beispielslos günstig für ein kerngesundes Unternehmen in Deutschland, das nun seine Investitionsphase hinter sich hat, so dass die freien Cashflows jährlich bei 4-5 Mio € liegen dürften. Zudem dürfte auch Ecotel unabhängig von Krisen im Ausland sein. Im Gegenteil, die Konsumnachfrage ist laut neuesten Wirtsdchaftsdaten in Deutschland weiter auf hohem Niveau und tendenziell steigend, wozu auch der niedrige Ölpreis beitragen dürfte. Telekomwerte sind daher ohnehin in Krisenzeiten oft ein sicherer Hafen.

Hier noch eine tabellarische Übersicht zu den Kennzahlen von Ecotel.


Die nächsten Tage werde ich mich noch zu AT&S und Tom Tailor genauer äußern. Bis dahin hoffe ich, dass ihr alle die Ruhe bewahrt und euch von der Panik nicht anstecken lasst. Die großen Indizes (Dow Jones, DAX) stehen ja auch unmittelbar vor großen Unterstützungszonen. Es macht da kurzfristig keinen Sinn, jetzt panisch Aktien (erst recht von bilanziell sauberen, konjunkturunabhängigen und günstig bewerteten Aktien) blind auf den Markt zu schmeißen. Von interessierter Seite wird ja auch derzeit aufgrund des Ölpreisverfalls ein Szenario an die Wand gemalt, was sehr einseitig negativ ist. Man muss zwar sicherlich realistisch die Risiken einschätzen, aber dabei nicht die Chancen auf der Long-Seite vernachlässigen. Zumal Crashs noch nie auf Ansage kamen. Die Psychologie spricht derzeit nicht wirklich für einen echten Crash. Und starke Konsolidierungen, insbesondere bei überbewerteten Aktienwerten, sind normal und gesund für den Markt. Dennoch bin ich natürlich dabei, die beiden Wikifolios besser abzusichern. Die Aktienquote ist mit 72% daher auch so gering wie noch nie. Einen Teil des Cash-Bestands werde ich ab und zu bei volatilen Ausverkäufen selektiv für kurze Trades nutzen.


Trotz dem kleinen Schock heute wünsch ich allen Investoren ein schönes Wochenende!

katjuscha

Kommentare:

  1. Hallo!

    Ich hoffe, ich darf an der Stelle mal zwei Fragen stellen:
    Sowohl über Morphosys als auch Hypoport (beide im Aktientrading-wikifolio enthalten, Hypoport gerade noch zugekauft) sind in der letzten Woche negative charttechnische Aussichten erschienen. Wo siehst du bei den beiden Werten trotz dem Abwärtsdruck (Hypo Widerstand bei 79 €; Morphosys im Abwärtstrend) auf welcher Dauer eine positive Entwicklung?

    http://www.onvista.de/news/hypoport-verkaufsdruck-ist-deutlich-angestiegen-22897779
    http://www.onvista.de/news/morphosys-weiteres-verkaufssignal-22652017

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  2. Hallo Unbekannter!

    Also ich investiere ja nicht nur auf Grundlage von Charttechnik. Wobei ich zugebe, dass Hypoport und Morphosys technisch angeschlagen aussehen. Genau deshalb hatte ich beide Aktien ja bei höheren Kursen teilweise verkauft. Hypoport war ja mal deutlich höher gewichtet, die ich über 70 € stückchenweise abgebaut habe, erst recht als der steile Uptrend gebrochen wurde. Nur ist die Aktie jetzt um 32% in zwei Wochen eingebrochen. Deshalb habe ich nun bei 57-61 € wieder einige Stücke zugekauft. Hypoport ist mit Abstand der fundamental günstigste Fintec-Wert hierzulande mit hohen Skaleneffekten und biltzsauberer Bilanz. Morphosys hat jetzt einen EnterpriseValue von unter 1 Mrd € bei einer der größten AK-Pipelines weltweit. erreicht nur ein Projekt der Eigenpipeline die Marktreife, rechtfertigt das bereits den gesamten Börsenwert. Und MOR hat keine finanziellen Probleme bei der Finanzierung, da knapp 30 Mio Cash auf der hohen Kante. Aus meiner Sicht ist bereits viel Negatives (Projekteinstellungen) eingepreist. Dennoch kann es natürlich aus technischen Gründen oder bei einem bearishen gesamtmarkt noch deutlich tiefer gehen. ich werd dann auf der lauer liegen, um langfristig zu investieren. MOR ist jetzt 50% vom Hoch gefallen. ich sehe nicht, wieso das fundamental gerechtfertigt sein soll. Die Anleger gucken mir bei dem Unternehmen zu stark auf die am weitesten fortgeschrittenen Projekte und berücksichtigen nicht die langfristigen Erfolgswahrscheinlichkeiten der Pipeline. Dafür muss man kein Biotec-Experte sein. Man muss nur rechnen können.
    Heißt aber alles nicht, dass ich naiv gegen den Markt handeln werde. Ich beobachte die beiden Aktien genauso wie die anderen Aktien und den gesamtmarkt sehr genau, speziell aktuell.

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