Montag, 23. November 2015

Wikifolio im Uptrend nahe AlltimeHigh, jedoch derzeit mit gebremster Dynamik



Hallo liebe Investoren!

Der erste Schnee fiel heute sogar hier im Brandenburgischen. Das Jahr neigt sich also so langsam dem Ende, ein Jahr, das doch insgesamt recht erfreulich für Anleger im Allgemeinen und insbesondere für mein wikifolio „Katjuscha Research Aktientrading“ verlief. Allerdings gab es Phasen, in denen ich selbst unzufrieden mit der Performence und meinem Trading-Verhalten war. Ein bißchen Pech kommt bei der Limitierung auch hinzu. Wobei eine zeitweise Underperformence bei meinem langfristigen Investmentansatz trotz des aktiven Depotmanagements eigentlich ganz normal ist. Man kann nicht jeden Monat den Markt outperformen, wenn als Langfristinvestment gedachte Aktienwerte im wikifolio natürlich auch mal einige Monate konsolidieren.
Die Neuaufnahme AT&S ist genau solch ein Wert, den ich vorhabe länger als ein Jahr zu halten, da sich dort die Gewinnwachstumsperspektiven erst nach der aktuellen Investitionsphase im 2.Halbjahr 2016 zeigen. Zudem hat AT&S die Möglichkeit in den ATX aufzusteigen. Das wäre ein großer Prestigegewinn. Allerdings wird der Kurs an der Wiener Börse gemacht, und man sollte daher das dünne Xetra-Orderbuch nicht überbewerten, wo der Marketmaker dominiert.

In den letzten zwei Wochen veröffentlichten faktisch alle meine Depotschwergewichte ihre Quartalszahlen. Ich persönlich war überwiegend mit ihnen zufrieden, allerdings sah „der Markt“ das teilweise etwas anders, was allerdings nicht zwingend an den Zahlen als solchen, sondern eher an deren Kommunikation gelegen haben könnte. Zwei typische Beispiele waren die Q3-Zahlen von IVU Traffic und Francotyp Postalia. 

IVU hat bekanntermaßen ein stark saisonales Geschäft. Der Gewinn kommt im Grunde vollständig aus dem 4.Quartal. Entscheidend ist hier der Rohertrag, den der Vorstand bei 39 Mio € fürs laufende Geschäftsjahr bestätigt hat. Da IVU nach 9 Monaten beim Umsatz über Plan liegt, vermute ich, dass die Anleger auf den nicht proportional mitgestiegenen Rohertrag und die Auflösung aktiver Latenter Steuern negativ reagiert haben. Hier muss man bedenken, dass nicht der Umsatz die wahre Steuergröße des Unternehmens ist und daher auch die Rohmarge nach 9 Monaten nicht überbewertet werden darf, sondern Rohertrag und Ebitda sind die wesentlichen Kenngrößen. Da der Personalaufwand in Q3 nicht gestiegen ist und auch sonst die Kostenstruktur keine größeren Auffälligkeiten zeigt, gehe ich bei Beibehaltung der Rohertragsprognose davon aus, dass weiterhin mit rund 5,5 Mio € Vorsteuergewinn zu rechnen ist. Ein Fragezeichen besteht noch bei den Latenten Steuern. Dazu hab ich die IR Abteilung um eine Erklärung gebeten. Ich ergänze dann hier, sobald eine Antwort gegeben wurde. Weiterhin sehr optimistisch bin ich beim Cashflow und damit Cashbestand. Beim Blick auf die Ertragserwartungen für Q4 und die aktuelle Bilanz lässt sich leicht ein operativer Cashflow von 8-9 Mio € für Q4 realisieren. Es läuft auf rund 17 Mio € Nettocash am Jahresende hinaus, der vorbehaltlich einer Dividendenerhöhung auf rund 21 Mio € im kommenden Jahr ansteigen sollte. Bei derzeit 75 Mio € Börsenwert kein ganz unwichtiges Kaufargument. IVU befindet sich in einigen sehr großen Auftragsausschreibungen, denen man optimistisch entgegen blickt. Das sollte neben der grundsätzlichen Unterbewertung (KGV16 von 13,3) der eigentliche Trigger für das kommende Jahr werden, falls man zumindest einen dieser Großaufträge erhalten könnte. Charttechnisch hat die Aktie nach den Zahlen wie so oft bis zur 100 Tage Linie konsolidiert. Ich geh davon aus, dass der langfristige Aufwärtstrend auch die nächsten 6-12 Monate erhalten bleibt. Mein Kursziel verbleibt bei 5,5 € bis zur nächsten Hauptversammlung.

Bei Francotyp Postalia liegt der Fall ähnlich. Hier ist allerdings Q1 das saisonal stärkste Quartal. Allerdings bestimmten in diesem Jahr vor allem die Währungseffekte den Saisonverlauf. Offenbar hat auch hier der Markt auf die währungsbereinigt schlechten Gewinnausweise reagiert. Die Story bei der Aktie liegt jedoch auf ganz anderer Ebene. Da das Unternehmen in den letzten zwei Jahren stark in den US Mietmarkt (Austausch von Frankiermaschinen) investierte und dort im 1.Halbjahr seinen Marktanteil auf 6,1% ausbauen konnte, war dieses Wachstum in die wiederkehrenden Umsätze der Zukunft bisher nicht im FreeCashflow abgebildet worden. Gleichzeitig stiegen entsprechend die laufenden Abschreibungen, was das Ebit-Wachstum dämpfte. Genau das soll sich zukünftig mit Auslaufen der Dezertifizierung ändern. Daher erwartet der Vorstand nun auch wieder deutlich positive FreeCashflows und somit hoffentlich auch steigende Dividenden. Die Dividendenrendite lag zuletzt schon bei fast 4% und könnte im kommenden Jahr auf über 5% steigen. Leider konnte der Vorstand diese Story dem Finanzmarkt wohl weiterhin nicht ausreichend vermitteln, so dass es regelmäßig nach den Quartalszahlen zu Verkäufen kam. Sobald sich der Markt nicht mehr auf einzelne EPS-Quartalsdaten konzentriert, sondern auf die übergeordnete Story und die Cashflows, sollte der Kurs endlich anziehen. Nach zwei enttäuschenden Jahren würde es auch langsam Zeit werden. Viel hängt aber davon ab, wie der Vorstand die Story zukünftig vermitteln kann. Da ich aber selbst nach KGV (es liegt trotz der hohen Abschreibungen fürs laufende Jahr bei nur 12) kaum Abwärtspotenzial sehe, sollte das Chance/Risiko-Verhältnis ein Investment allemal rechtfertigen.

Klar über meinen Erwartungen lagen die Zahlen von Ecotel. Nach dem eher bescheidenen Q2 konnte man in Q3 nun endlich auch wieder im B2B Bereich wachsen, und der Vorstand klingt im BRN-Interview sehr optimistisch was dieses für die Konzernmarge wichtige Segment angeht (Großaufträge durch die Allianz, Hochtief und Curanum). Aufgrund der hohen Abschreibungsquote sollte man auch bei Ecotel auf den FreeCashflow statt des Nettogewinns schauen. Den Freecashflow darf man bei über 5 Mio € im laufenden Jahr erwarten. Auch wenn dort noch rund 1 Mio € für die Minderheiten abgehen (Easybell), so ist eine EV/FCF Multiple für das kommende Jahr von 5,5 doch ziemlich einzigartig im deutschen Nebenwertesektor. Der Finanzmarkt hat das offensichtlich mal wieder nicht im Fokus, weil man sich auch bei dieser Aktie anscheinend auf das vermeintlich hohe KGV konzentriert. Ähnlich wie bei Francotyp stellt sich auch bei Ecotel die Frage, was man mit den auflaufenden liquiden Mitteln anfangen wird. Da eigentlich kaum mit anorganischem Wachstum zu rechnen ist (es sei denn man stockt seine Beteiligung an Easybell auf), ist mit deutlich steigenden Dividenden zu rechnen. Ich halte hier schnelle 50% Kursanstieg für denkbar sobald der Markt seinen Fokus auf die Cashflows und damit voraussichtlich gute Dividendenrendite richtet.

Mit Balda habe ich eine „Sonderstory“ relativ hoch gewichtet. Hier besteht in meinen Augen die Fantasie in der Tatsache, dass lange Zeit das operative Geschäft aufgrund des Nullergebnisses aus der Bewertung ausgepreist wurde. Nun soll dieses gesamte operative Geschäft für über 70 Mio € verkauft werden. Zusammen mit dem bisherigen Cashbestand kommt Balda dann auf 4,4 € pro Aktie Nettocash. Davon möchte man in knapp zwei Wochen 1,1 € pro Aktie an die Aktionäre ausschütten und später (nach Vollzug der Übernahme und einer Kapitalherabsetzung) nochmals 0,9 € pro Aktie. Da der aktuelle Kurs derzeit bei 3,35 € steht, sehe ich bei der Aktie nach unten kein Risiko. Falls die Dividendenjäger noch auftauchen, könnte der Kurs in den nächsten zwei Wochen bis zur Hauptversammlung einen deutlichen Anstieg realisieren.

Die Zahlen von S&T und dem BVB haben meine Erwartungen getroffen. Die Stories sind hier ebenfalls absolut intakt. Beim BVB findet heute noch die Hauptversammlung statt. Ich erhoffe mir klare Aussagen von Herrn Watzke zur mehr als deutlichen Unterbewertung des Unternehmens. Aufgrund des im Frühjahr 2016 neuverhandelten TV Vertrags der Bundesliga, der Jahr für Jahr viel zusätzliches Geld in die BVB Kassen spülen wird, dürfte dadurch im kommenden Jahr ein starker Kurstrigger liegen. Dazu kommt die aktuell gute sportliche Situation als Tabellenzweiter, zumal die Konkurrenz die kommenden Spieltage teilweise gegeneinander spielt. Kommt der BVB nächste Saison wieder in die ChampionsLeague, sollte man schon 2016/17 die 300 Mio € Umsatz (ohne Transfererlöse) erzielen. Nach wie vor preist der Finanzmarkt weite Teile der Substanz des Unternehmens aus. Zudem ist der BVB mit einer Personalkostenquote unter 50% und einem EV/Ebitda von knapp 5 fürs kommende Jahr ziemlich einzigartig in der Branche positioniert und bewertet.

Grundsätzlich baue ich mein Depot gegen Jahresende weiter marginal um, um neue Werte von meiner Watchlist, die auch etwas liquider handelbar sind, ins wikifolio nehmen zu können.  Der Gesamtmarkt sieht eigentlich sehr gesund aus, da es immer genug Skepsis trotz der niedrigen Zinsen gibt. Aufgrund dieser Zinslage sollte man auch bei möglicherweise leicht steigenden Zinsen kaum Anlagealternativen zu Aktien haben. Da sich die großen Indizes zudem in einer sehr interessanten charttechnischen Lage befinden, könnte sich in der kommenden Woche eine Vorentscheidung für die kommenden 3-6 Monate ergeben.  Exemplarisch stelle ich hier mal den Chart des DAX hinein. Sollte der Dax das höhere Hoch vom letzten Donnerstag oberhalb der 200 TageLinie und des Downtrends bestätigen (wobei ein schneller Gapclose bei knapp 11.000 Punkten zuvor nicht ausgeschlossen werden kann), wäre der Weg zu einer fortgesetzten Jahresendrallye frei. Noch habe ich aber zur Absicherung den DAX Short im Depot belassen und sogar am Freitag leicht aufgestockt. Würden die Long Signale entstehen, würde ich ihn zur Hälfte wieder abbauen. Ähnlich sieht es beim S&P500 Short aus, wo der Index noch in diesem Jahr neue AlltimeHighs realisieren könnte. Bis dahin sollten aber die Aktienpositionen die gering gewichteten Short-Derivate ohnehin stark überwiegen. Noch steht es jedenfalls auf Messers Schneide, wohin insbesondere der Dax tendieren wird. Ich handle dann strikt prozyklisch, je nach klarem Signal.




katjuscha

Kommentare:

  1. Hi Katjuscha,

    was hältst du von CLOVIS ONCOLOGY.
    Meiner Meinung nach ein klarer Buy momentan.
    Würde mich über deine Meinung freuen!

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    1. Müsstest du mir mehr dazu sagen. Ist erstens nicht meine Branche, weil schwer einschätzbar, und zweitens greife ich ungern ins fallende Messer bei solchen stark abgestürzten Aktien.

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  2. Hallo Katjuscha,

    ich bin aktiver Investor deines Wikifolios und freue mich immer sehr über deine Kommentierungen.
    Sofern es deine Zeit zulässt würde ich mich sehr über eine kurze Stellungnahme zur Aktie von Biofrontera freuen. Das Unternehmen ist meiner Meinung nach gerade in einer sehr interessanten Phase, da man für Mai die Zulassung in den USA für das wichtigste Medikamente in der aktuellen Produktpipeline erwartet. Die USA sind immerhin der wichtigste Pharmamarkt der Welt. Des Weiteren wir eine Ausweitung der Behandlungsmethoden in Europa erwartet. Nach mehreren Finanzierungsrunden sind keine all zu großen Verwässerungseffekte mehr durch weitere Kapitalmaßnahmen zu erwarten denke ich.
    Wie gesagt eine kurze Meinung zu der Aktie würde mich sehr interessieren, da ich diese zur Zeit in meinem Depot habe.

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