Mittwoch, 25. Februar 2015

Dax Rallye ohne Nebenwerte?



Gleich mal das Schlechte vorneweg. Eines ist augenscheinlich. In diesem Kalenderjahr gehen Bluechips und liquide MidCaps weiterhin besser als Nebenwerte. Die Geldflut in den Märkten verfehlt ihre Wirkung nicht, so dass Fonds sich offensichtlich erstmal unabhängig von Bewertungsfragen liquide Aktien von Unternehmen suchen, die eine gewisse Story bzw. einen klaren Trend aufweisen. 

Für mich stellt sich vor der Berichtssaison zwar wieder die Frage, was das für meine Strategie bedeutet, aber ich geh davon aus, dass zurückgebliebene Nebenwerte wie bei mir Francotyp oder Muehlhan ihre Unterbewertung mit den bevorstehenden News abbauen werden. Schließlich suchen Aktien mit KBV von 0,8 wie bei Muehlhan oder KGV von 9 wie bei Francotyp Postalia ihresgleichen in diesen gut gelaufenen Märkten. Beide Werte haben zudem niedrige Ebitda Multiplen und generieren nach der beendeten Restrukturierung bzw. der Investitionsphase hohe Cashflows. Genau wie GFT veröffentlicht Francotyp Postalia am 5.März ihre Geschäftszahlen.
Am Abend zuvor wird die Deutsche Börse voraussichtlich bekanntgeben, GFT in den TecDax aufnehmen zu wollen. Man darf gespannt sein, wie der Kurs auf beide Termine reagiert, aber auch wenn es zu einer Konsolidierung kommen sollte, sehe ich GFT im TecDax als eine der günstigsten Wachstumswerte an, so dass eine kleine Konsolidierung sofort wieder zu Käufen genutzt werden dürfte. Mein Kursziel bleibt bei 20 € fürs laufende Geschäftsjahr.

IVU fällt seit einigen Wochen mit interessanten Auftragsmeldungen auf, die jedoch nur per Pressemitteilung auf der Homepage zu finden sind. Auch hier liegt der Grund für mein Festhalten an der Aktie vor allem an Bewertungsfragen und einem Geschäftsmodell in einem langfristig aussichtsreichen, prosperierendem Markt . Berücksichtigt man den Cashbestand reden wir hier immernoch von einem niedrigen KGV von 11. Zudem darf man gespannt sein, welche Dividendenhöhe der Vorstand vorschlagen wird. Ich rechne mit 12 Cents pro Aktie, könnte mir aber auch mehr vorstellen, wenn IVU den Cash nicht für anorganisches Wachstum benötigt.

Hypoport gab währenddessen bekannt, ihre Jahresprognose von 7,5 Mio € Ebit zu überbieten. Ich rechne hier mit rund 8,5 Mio € und einem EPS von 1,00-1,05 € im Jahr 2014. Die erheblichen Skaleneffekte sollten sich jedoch erst in diesem und kommenden Jahr einstellen und diesen Fintech-Wert zu einem deutlich höheren Kursniveau führen. Mittlerweile hat man auch charttechnisch endlich klare mittelfristige Kaufsignale mit dem Überwinden des Bereich 12-13 € generiert. Als Absicherung fungiert noch zusätzlich das Aktienrückkaufprogramm, das jedoch nur bis zu einem Kurs von 14 € durchgeführt wird. Ich für meinen Teil werde daher bei konsolidierenden Märkten hier im tiefen 14er Bereich zukaufen. 

Der BVB hat sich ja nun endlich mit drei Siegen in Folge zumindest mal der gröbsten Sorgen entledigt, ist aber noch lange nicht aus dem Schlamassel raus. Ich geh daher auch davon aus, dass sich der Finanzmarkt erst dann wieder um die starke Unterbewertung des Unternehmens kümmert und somit der Kurs steigt, wenn der Abstieg aus der Bundesliga kein Thema mehr ist. Fälschlicherweise fokussieren sich manche Journalisten zu sehr auf das Sportliche anstatt sowohl durch eine vernünftige Fundamentalanalyse und einen Branchenvergleich eine unabhängige Unternehmensbewertung vorzunehmen. Wichtigster Punkt ist in meinen Augen, dass viele Menschen mich ansprechen (und so denken auch viele Journalisten und Analysten) und der Überzeugung sind, dass die ChampionsLeague-Teilnahme existenziell wichtig für die Aktienkursentwicklung wäre, weil erhebliche Umsätze wegfallen und der BVB somit Verluste machen würde. Ich möchte nun in ein paar Sätzen darstellen wieso dem nicht so ist. 

Natürlich fallen mit der ChampionsLeague Umsätze in Höhe von rund 40-45 Mio € weg. Dem stehen zunächst einmal aber laut CEO Watzke auch bis zu 20 Mio geringere Kosten gegenüber. Hier kommt dem BVB unter anderem seine einzigartige Personalkostenquote von 42% mit sehr flexibler Entlohnung zugute. Des Weiteren wird voraussichtlich ab der kommenden Saison das Catering in Eigenregie betrieben, was etwa 12-13 Mio zusätzlichen Umsatz und etwa 5 Mio € Gewinn bringen soll. Zudem wird es sowohl beim Sponsoring als auch der Auslandsvermarktung erhebliche Anstiege des Umsatzes im niedrigen, zweistelligen Millionenbereich geben, die zudem zu 100% in den Gewinn gehen. Und die Bundesliga bzw. DFL handelt ja in ihren TV-Verträgen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit neue Verträge aus, von denen gerade der BVB sehr stark als Zuschauermagnet profitieren wird, allerdings erst ab der übernächsten Saison. Zudem möchte der BVB ab diesem Sommer in Asien zu mindestens zwei „Freundschaftsspielen“ auflaufen, um sein Marketing in dieser Region zu verbessern als auch sofort diese Antrittsprämien zu kassieren. Der Vertrag für ein solches Spiel wurde bereits unterschrieben.  Zusätzlich stehen durch die vorfällig zurückgezahlten Verbindlichkeiten nun mehr als 3 Mio € jährlich zur Verfügung, was direkt den jährlichen Nettogewinn steigert.
Mir stellt sich also die Frage wieso man ein Unternehmen nur daran misst, ob die Mannschaft im kommenden Jahr in der ChampionsLeague spielt oder nicht, wenn der wirtschaftliche Erfolg viele andere Parameter hat, die diesen einen Effekt ausgleichen. Während der Spiele aktuell gegen Juventus Turin sollte man auch daran denken, wie größere, kleinere, börsennotierte und nicht börsennotierte Fussballvereine Europas bewertet werden. Juventus wurde von Forbes sogar während der 2.Liga-Saison vor einigen Jahren höher bewertet als der BVB derzeit, und das in einer damals und heute angeschlagenen italienischen Liga. Beim HSV werden Anteile mit einem Betrag bezahlt, der ebenfalls die Frage stellt, wieso der BVB trotz weit besserer finanzieller Situation nur unwesentlich höher bewertet wird. Von Vereinen im In- und Ausland mal ganz abgesehen, die nicht einmal Gewinne machen, aber wesentlich höher bewertet werden. Beim BVB reden wir über ein EV/Ebitda von 5-6 und einer Substanzbewertung, die nur den Kaderwert und die aktuelle Cashposition berücksichtigt. Stadionwert in Höhe von 200 Mio € und zukünftige Cashflows sind völlig ausgepreist. Im Branchenvergleich stellt das eine totale Anomalie dar. Das betrifft sowohl börsennotierte als auch nicht börsennotierte Vereine, die von Forbes aufgelistet werden.

Unterm Strich wird der BVB in der kommenden Saison auch ohne ChampionsLeague ähnliche Umsätze machen wie in der ChampionsLeague-Saison 2013/14 und möglicherweise sogar seine operativen Gewinne steigern. Nicht ohne Grund kann Watzke daher auch immer wieder betonen, der BVB müsse für neue Transfers keine Gelder vom Festgeldkonto nehmen, sondern kann sie aus dem laufenden Cashflow zahlen. Wobei nach der Vertragsverlängerung von Marco Reus nun vielleicht weniger Transfers nötig sind als man vorher dachte. Das frisches Blut auf 2-3 Positionen die Mannschaft verstärken sollte, ist auch klar, aber der operative Cashflow plus ein paar Transfereinnahmen (Gündogan?, Mhkytharian?, Subotic?, Schmelzer? etc.)werden diese Transferausgaben finanzieren können. Zudem kommt voraussichtlich Jonas Hofmann aus Mainz zurück, der nur ausgeliehen war, aber wie der BVB selbst leider auch vom Verletzungspech getroffen wurde.

Schon in der laufenden Saison steigerte der BVB sein Ebitda im 1.Halbjahr trotz eines Bundesligaspiels und eines Pokalspiels weniger um 15% auf 30,7 Mio €. Selbst wenn man jetzt im Achtelfinale der ChampionsLeague ausscheidet, wird der Gewinn aller Voraussicht nach gesteigert.

Fazit: Für mich ist die Aktie derzeit ein Spielball der Psychologie, da der deutsche Fusballfan, wozu nunmal auch oberflächliche Journalisten gehören, zunächst mal nur auf den sportlichen Niedergang nach 4 erfolgreichen Jahren schauen. Alles was sich der BVB substanziell und hinsichtlich Kostenstruktur aufgebaut hat, wird ausgeblendet . Der Kurs fiel ja auch erst so stark als man endgültig begriffen hatte, dass der BVB tatsächlich gegen den Abstieg spielt. Wird der BVB dort unten rauskommen, wovon ich überzeugt bin, wird man sich auch wieder auf die Fundamentaldaten konzentrieren. Im Mai dürfte die neue ForbesListe der größten Fussballvereine veröffentlicht werden. Dann erwarte ich eine Aufstockung des fairen Unternehmenswertes auf mindestens 600 Mio € oder 6,5 € pro Aktie. Man wird das vor allem durch die weit verbesserten Bilanzdaten rechtfertigen, aber auch durch die guten Umsatzperspektiven und neuen Sponsorendeals und höheren Vermarktungseinnahmen. 



Nochmal in eigener Sache bezüglich des Blogs. Mir ist klar, dass ich zukünftig keine großen Ankündigungen mehr machen kann, die ich nicht einhalten kann. Das hilft meiner Reputation nicht, und deshalb werde ich solche Vorankündigungen zukünftig lassen. Ich werde stattdessen dann in der wikifolio Kommentarfunktion einen Eintrag verfassen, der auf einen neuen Blogeintrag verweist. Ich werde mich natürlich trotzdem bemühen, sowohl bei wikifolio als auch hier im Blog mehr zu schreiben als am Jahresanfang. In den letzten drei Wochen kamen private Gründe hinzu, die mir es nicht ermöglichten, hier zu posten. … Positiv bleibt zu sagen, dass ich dafür in näherer Zukunft an einer verbesserten Gestaltung der Einträge arbeite, u.a. durch Chartanalysen im Videoformat. Mal sehen, wie das so klappt.

Bis dann!

Bleibt mir gewogen!

Kommentare:

  1. Hallo Kat,
    ich bin Anfänger in der Welt des Tradens.
    Kannst du mir ein paar Tipps geben?
    z.B. Trading Software, Broker die du verwendest bzw. gut/schlecht findest
    Bietest du bald Seminare oder Lernstunden an?

    Mit freundlichen Grüßen Andi

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    1. Hallo Andreas

      ich hab oft das Gefühl, ich werde gewaltig überschätzt, zumindest was meine Person angeht.

      ich halte mich zwar für einen sehr guten Analysten und Investor, aber ich bin kein Tradingprofi oder Millionär, was manche Leute oft denken. Weder nutze ich eine Tradingsoftware, noch kann ich besondere Bücher empfehlen oder habe vor Seminare zu geben. Ich bin ein Privatanleger wie viele andere auch, nur das ich mir in Eigenregie über Internetrecherche, ein paar kaufmännischen Büchern und vor allem mit einer eigenen jetzt mittlerweile fast 20jährigen Erfahrung eine ganz gute Rendite in den letzten Jahren erwirtschaften konnte.

      Tipps kann ich dir nur insifern geben, als das du dir die Grundlagen in der Analyse von Finanzberichten, Volkswirtschaft anlesen solltest. Dafür reichen ein paar kaufmännische Bücher. Ich hab damals Bücher meiner Schwester genutzt, die damals eine Banklehre machte. Im Grunde ist aber alles Wissen auch im Internet verfügbar.
      Alles andere ist Erfahrung, Erfahrung, Erfahrung.
      Und wichtig ist aus meiner Sicht vor allem, seine eigenen Stärken und Schwächen zu kennen, und an den Schwächen zu arbeiten. Nur wenn man sich selbst reflektiert, kann man Fehler vermeiden und gewisse Lehren für die Zukunft ziehen.
      Es gibt ja auch nicht die eine gute Strategie, sondern es gibt nur die passende Strategie für jeden einzelnen Anleger. Manche Leute traden nur nach gefühl oder nur nach Charttechnik. Ist nicht mein Ding, aber kann erfolgreich sein, wenn man auch da weiß was man tut und sich Fehler und Schwächen eingesteht. Viele Leute, sogar Multimillionäre, sind schon gescheitert, weil sie sich (und vor allem anderen Menschen) vormachen wollen, erfolgreich zu sein.

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  2. Hallo Kat,
    Auch ich befinde mich noch am Anfang wie Andreas. Ich finde dein Wikifolio sehr interessant und versuche anhand deiner Trades und Kommentare zu lernen. Vielen Dank dafür!! Trotzdem stellt sich auch mir die Frage womit du tradest, also welche Bank nutzt du, um die Gebühren in Grenzen zu halten? @Andreas Meine Empfehlung, halte dich an Youtube und zusätzlicher Fachliteratur.
    Auch wenn es sehr viel Arbeit ist, bitte behalte es mit den Kommentaren so bei.

    Grüße Martin

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  3. Hey katjuscha,

    gibt es mal wieder ein update?
    Ich mein, nachdem Du jetzt die Wikifolios ein wenig "krisensicherer gemacht" hast.
    Du wolltest doch außerdem die cash-Quote auf mind. 10% halten.
    Oder aber ist dies Phase wieder vorbei?

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    1. hey Anonym

      ich werde höchstwahrscheinlich Ende kommender Woche (29.-30.Mai) ein Update machen. Dann haben die allermeisten nebenwerte ihre Quartalszahlen veröffentlicht und die ersten Hauptversammlungen sind auch schon durch.

      was die 10% angeht, hab ich halt für die entsprechenden 3-4% ISRA gekauft. Zudem hab ich ja noch 5-6% im Dax Short ETF. Insofern passt das schon. Ich werd aber sicherlich immer mal kleinere Summen traden/verkaufen, so dass jetzt im Mai/Juni die Gesamtsumme aus Cash und Short ETF immer so 12-15% beträgt. Kann sich aber bei entsprechenden Signalen auch durchaus wieder schnell ändern. Man weiß ja nie, wie der Markt so drauf ist. Mein Gefühl sagt mir, es wird noch eine etwas längere Konsolidierung geben, aber die wird nicht sonderlich tief gehen. Deshalb versuch ich halwegs sichere Substanzwerte im Depot zu behalten, die auch gegen den Markt mal steigen können, aber andereseits auch am Short ETF festzuhalten und insgesamt die Aktienquote unter 90% zu halten.

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