Sonntag, 17. August 2014

Wochenend-Update KW33


Als ich vor zwei Wochen das letzte Update geschrieben hatte, war der DAX nach der Zuspitzung der Ukrainekrise gerade unter seine wichtige technische Unterstützung bei rund 9400 Punkten gefallen, und diverse Nebenwerte wurden stark überproportional davon betroffen. In den Tagen nach dem Update stürzte der DAX wie erwartet bis auf die Unterstützung bei etwa 8900 Punkten  ab. Mein wikifolio kam dabei nochmals unter Druck, aber einige Nebenwerte konnten sich schon langsam stabilisieren. Der DAX vollführte dann auch die erwartete Gegenbewegung. Kurz bevor er die von mir favorisierte Zone bei 9370-9400 Punkten erreichte, um dort das wikifolio mit einem Ausbau der Shortposition auf den Dax abzusichern, wurden die Märkte am Freitag durch die Nachrichten aus der Ukraine erneut erschüttert.

Das wikifolio konnte sich dem wiederum nicht ganz entziehen, allerdings bemerkt man so langsam wieder eine leicht relative Stärke, da das wikifolio nun um 6% über den Verlaufstief liegt während der Dax um 3% über seinem Verlaufstief liegt. Wie erwähnt war es mir leider noch nicht möglich, das Depot zu einem günstigen Zeitpunkt weiter abzusichern, auch wenn ein niedrig gewichteter Short aufgenommen wurde. In der aktuellen Zone des charttechnischen Niemandslands zwischen 8900 und 9400 Punkten werde ich an meiner grundsätzlichen Ausrichtung nichts ändern. Im Gegenteil, die Aktienquote ist mit 90% weiterhin sehr hoch, vor allem weil abgesehen von den politischen Börsen der letzten Wochen der grundsätzliche Bullenmarkt (vor allem der US Leitbörsen) intakt erscheint. Sollte der S&P500 unter 1900 Punkte fallen, müsste man diese Aussage allerdings überdenken. Zudem bewahrheitet sich die Börsenweisheit „politische Börsen haben kurze Beine“, so dass es nun heute wieder deutlich an deutschen Börsen bergauf ging.



Bei den einzelnen Depotwerten habe ich allerdings doch eine leichte Strategieänderung vorgenommen. Ich habe bei einigen Werten (Francotyp, GFT, RIB) nachgekauft, die ich perspektivisch aus sehr unterschiedlichen Gründen für aussichtsreich halte. Dadurch haben sich nun fünf Schwergewichte (BVB, FrancotypPostalia, GFT, IVU, RIB) mit jeweils 9-12% Depotgewichtung  herauskristallisiert, was aber Teilverkäufe von Tradinggewinnen auch bei diesen mittel- bis langfristigen Investitionen nicht ausschließt. Überhaupt wird es häufiger Teilverkäufe bei Depotwerten geben, um Tradinggewinne zu sichern und Cash für weitere Trades vorrätig zu haben. Gleichzeitig gibt es einige kleinere, marktenge Aktien, die ich gerne höher gewichten würde, aber aufgrund des illiquiden Handels nicht mehr möglich ist als eine Gewichtung von 3-6%. Dazu zählt vor allem weiterhin die Ecotel AG, die ich aus bekannten Gründen für stark unterbewertet halte. 



Einige Randaktivitäten habe ich abgebaut oder ganz verkauft. Die Übersicht für den Trader als auch die Investoren wird dadurch zukünftig stärker gegeben sein, wenn ich mich auf 15-20 Investments beschränke plus dem ein oder anderen Kurzfrist-Trade. Zudem wird Cash frei, um sich kurzfristige bietende Trades im volatilen Marktumfeld nutzen zu können. An eine starke Reduzierung der Aktienquote denke ich aber nicht solange der Bullenmarkt intakt bleibt.

Mittlerweile haben mehr als die Hälfte der Unternehmen ihre Finanzdaten veröffentlicht. Abgesehen von Triplan gab es dabei keine Enttäuschungen. Triplan hat eine Umsatzwarnung herausgegeben, dürfte aber die prognostizierte Gewinnmarge noch erreichen können. Ich habe deshalb direkt nach den Zahlen einen kleinen Teil abgebaut, da aber die Aktie nach wie vor sehr günstig erscheint, bleibe ich investiert.
Des Weiteren haben wir bei Softing zwar ebenso auf den ersten Blick schlechte Halbjahreszahlen gesehen, aber diese wurden nach der Übernahme der amerikanischen Odil auch so erwartet. Dennoch kam die Aktie unter Druck. Ich werde dort für den Fall auf 13,0-13,5 € nachgebender Kurse erneut nachkaufen, weil Softing eine klassische Langfristinvestition ist, die aber vorläufig entsprechend hoch bewertet ist, was das kurzfristige Kurspotenzial begrenzt, zumal die Jahresumsatzprognose Fragen aufwirft. Die doch sehr unwahrscheinliche 65 Mio € Umsatzprognose kann man nur als sehr konservativ interpretieren, um diese nach den Q3-Zahlen erhöhen und selbst diese Erhöhung dann nochmals klar überbieten zu können. Ich rechne mit 73-76 Mio € Jahresumsatz.
Diverse andere Unternehmen haben mit ihrem Zahlenwerk überzeugt, allen voran die sehr zuverlässig abliefernde GFT, die ihren Vorsteuergewinn im 1.Halbjahr auf 11,1 Mio € mehr als verdoppeln konnte. Der Ausblick ist zudem ziemlich vorsichtig formuliert, weshalb man sich auch kaum Sorgen um eine Verfehlung der Jahresprognose machen muss.

In den kommenden 1-2 Wochen darf man die Zahlen der restlichen Depotwerte erwarten. Besonderes Augenmerk liegt für mich dabei auf Catalis, Francotyp-Postalia oder Technotrans, von denen ich jeweils positive Vorstandsaussagen zum Ausblick erwarte. Spannender sollte es bei Agfa Gevaert werden, die bei den Q1 Zahlen enttäuscht hatten, aber wo ich diesen Rücksetzer aufgrund der hohen Substanzwerte und denkbarer Cashflows für übertrieben halte und deshalb kürzlich eingestiegen bin. Die Erwartungen dürften daher relativ gering bzw. die Ängste hoch sein, was eine spekulative Position aus psychologischer Sicht zusätzlich erklärt.
Wie schon beim letzten Update beschrieben, gehe ich gerne auf einzelne Werte genauer ein, wenn gewünscht. Nach Beendigung der Berichtsaison werde ich aber ohnehin den einen oder anderen Depotwert genauer vorstellen.

Kommentare:

  1. Hallo Katjuscha,

    vielen Dank für den sehr ausführlichen Bericht. Deine Recherche-Arbeit finde ich erstklassig und man fühlt sich durch die regelmäßigen, fundierten und aktuellen Kommentierungen auf dieser Seite als Investor sehr gut aufgehoben. Mach weiter so!

    Richard

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  2. Hallo,
    ich würde mir ein paar tiefer gehende Informationen und Hintergründe deiner Einschätzung zu Softing wünschen. Ich liege leider zur Zeit bei ca. 14% im Minus und bin am überlegen zu verkaufen.

    Beste Grüße
    Stephan

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  3. Hallo Kat,
    danke für deinen umfangreichen Kommentar, bin wahrscheinlich nicht der Einzige, der sich freut öfter deine Kommentare zu lesen wie in der Vergangenheit. Lese zwar bei ariva viel mit, aber dort willst du wahrscheinlich nicht alles posten.
    LG
    Einzahler

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