Sonntag, 3. August 2014

Starker Kursrückgang im wikifolio – eine Bestandsaufnahme



Hallo Investoren!

Wie ihr sicherlich mitbekommen habt, ist mein wikifolio deutlich unter Druck geraten. Die Kursverluste im DAX wirkten sich weit überproportional auf Nebenwerte aus, und leider wurde dabei vorläufig kein Unterschied gemacht, ob die Aktien günstig oder teuer bewertet sind. Solche Phasen gab es an den Aktienmärkten schon immer, da Nebenwerte grundsätzlich volatiler sind. Wenn Nebenwerte aus einer Mischung von Gewinnmitnahmen, StopLoss Wellen und Shortattacken dann auch noch Verlustrealisierung provozieren, können ohnehin volatilere Nebenwerte auch 15-20% in wenigen Tagen verlieren, wie wir es bei einigen meiner Nebenwerte am Donnerstag und Freitag gesehen haben. Ab Freitagmittag gingen aber einige dieser Werte bereits wieder aufwärts. Die StopLoss waren abgearbeitet und die Schnäppchenjäger übernahmen wieder das Kommando. Über Wochen und Monate hinweg werden gut geführte Unternehmen, deren Aktien klar unterbewertet sind, den Markt (sprich den Dax) outperformen. Daran ändert die aktuelle Volatilität nichts. Das bietet sogar gute Trademöglichkeiten.

Investoren fragen sich jetzt natürlich wie es weitergeht und wie sichere ich mein Depot ab. Ich baue natürlich weiter auf meine analytischen Fähigkeiten zur fundamentalen Situation der Unternehmen innerhalb der Volkswirtschaft und des Finanzmarktes. Einzelne Werte, die weder konjunkturabhängig sind noch von der Russlandkrise oder dem Zinsniveau abhängig sind, werde ich eher nachkaufen, sei es als Kurzfristtrade oder als Langfristanlage. Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich. In einer denkbaren Gegenbewegung im DAX hinein werde ich dennoch mein wikifolio zunächst in kleinem Rahmen mit Short-Derivaten auf den Gesamtmarkt absichern. Die angesprochene Outperformence meiner ausgewählten Unternehmensanteile sollte dann auch die Outperformence des wikifolios sicherstellen, selbst wenn der Dax bis auf das Märztief bei 8913 Punkten oder sogar bis 8200-8400 Punkten korrigiert. Noch ist das aber längst nicht ausgemachte Sache. Der Dow Jones und der S&P 500 befinden sich weiterhin deutlich im Bullenmarkt und über ihren 200Tage Durchschnittslinien. Eine normale Korrektur hatten wir in den letzten 2-3 Jahren schon öfter. Also ist die aktuell „deutsche Panik“ etwas kurzfristig übertrieben. Ich erwarte dennoch sowohl im DOW als auch DAX noch 1-2% Abwärtsbewegung in den nächsten Tagen bevor eine deutliche Gegenbewegung ansteht. Ausgewählte Nebenwerte, die diese Abwärtsbewegung aus angesprochenen Gründen längst vorweggenommen haben, sollten sich bereits am Montag/Dienstag erholen. Hauptgrund für meinen Optimismus bleibt die Tatsache, dass man bei allen Diskussionen über leicht steigende Zinsen am Jahresende eines nicht vergessen sollte. Aktien sind immer noch die attraktivste Anlagemöglichkeit auf absehbare Zeit, und wenn dann Einzelwerte auch noch weit unter dem Marktdurchschnitt bewertet werden und für 2015 sehr gute Wachstumsperspektiven bieten, werde ich nicht ausgerechnet jetzt nach diesem Ausverkauf vom Freitag solche Schnäppchen auf den Markt schmeißen, zumal in den kommenden Wochen diverse Halbjahreszahlen anstehen, die die guten Perspektiven dieser Unternehmen bzw. Aktienwerte bestätigen dürften.
Ich habe zu einigen meiner Einzelwerte unter folgendem Link Kurzanalysen verfasst, die meine Meinung begründen. Wer zu Einzelwerten eine genauere Analyse benötigt, darf mich gerne hier in der Kommentarfunktion oder über meine Mailadresse um eine umfassender Analyse bitten. Ich versuche dann zeitnah darauf einzugehen, möglichst für alle Investoren gleichermaßen hier im Blog.


Vorerst stelle ich euch die unten als Bilddatei hochgeladene Statistiktabelle zur Verfügung, die die Unterbewertung der Depotwerte zunächst anhand reiner Kennzahlen erklärt. KBV unter 1, KGVexCash unter 10, EV/Ebitda unter 4 und Dividendenrenditen über 4% habe ich dabei rot hervorgehoben.Wenn es Fragen zu einzelnen Daten gibt, steht euch ebenfalls die Kommentarfunktion zur Verfügung.


Man stellt sich natürlich schon die Frage, wieso weitestgehend von der Konjunktur und den Finanzen unabhängige Unternehmen wie Francotyp Postalia oder der BVB derzeit überproportional verlieren, obwohl viel für eine gute Nachrichtenlage bei diesen Unternehmen in den nächsten Quartalen und Jahren spricht und zudem beispielsweise eine FrancotypPostalia-Aktie nur mit KGV15 von 8 bewertet wird. Oder wieso IVU Traffic mit einem KGV von 10 bewertet wird, zumal mehr als ein Drittel des Börsenwertes noch mit Cash unterlegt ist. IVU dürfte für das Jahr 2014 laut Vorstandsaussagen auf der Hauptversammlung (wo ich anwesend war) mit einer sehr stattlichen Dividende aufwarten. Ich rechne sogar mit 20 cents pro Aktie, was einer Dividendenrendite von 8,2% entspricht.
In der kommenden Woche werden einige Depotwerte ihre Halbjahreszahlen vorlegen, inklusive GFT Technologie. Auch ein Beispiel für eine Aktie, die ohne Grund jetzt fast 20% vom Jahreshoch korrigiert hat, wie die Halbjahreszahlen sicher bestätigen werden. Selbst die Aktie von Ecotel hat es am Freitag durch eine StopLoss Welle heftig zerrissen, obwohl wohl mit einem EV/Ebitda von 2,4 für das kommende Jahr eine der günstigen Aktien überhaupt, zumal weitestgehend unabhängig von der Konjunktur. Im Branchenvergleich ist Ecotel damit unfassbar günstig bewertet, wenn auch ein relativ kleiner Player, der sich aber seine lukrative Nische gesucht hat und durch eine gute Auftragslage abgsichert erscheint.

Fazit: Ich werde nicht so naiv sein zu glauben, dass mein wikifolio kurzfristig nur steigen kann, weil meine Aktien unterbewertet sind, aber neben meiner grundsätzlich längerfristigen Ausrichtung, die auf Warren Buffets Prinzipien aufbaut, sehe ich durchaus nach solchen Ausverkäufen gute kurzfristige Tradingmöglichkeiten auf der Long-Seite und Nachkaufmöglichkeiten bei einzelnen Werten, die von von Panik getriebenen Anlegern sehr günstig auf den Markt geworfen wurden. Dennoch muss auch ich mein wikifolio möglicherweise in den nächsten Wochen etwas umstellen, um das Chance/Risiko-Verhältnis zu verbessern. Das wird aber auch vor allem von den Halbjahreszahlen der einzelnen Werte abhängen wo ich asufstocke oder wo ich verkaufe. 4 meiner Depotwerte haben bereits Halbjahreszahlen veröffentlicht. Fabasoft lag dabei im Rahmen der Erwartungen für ein 1.Quartal (minimal fallender Gewinn, deutlich steigender Cashflow), während Muehlhan sehr überzeugte und bald vor einer Prognoseanhebung stehen dürfte. Bei RIB besticht vor allem die hervoragende Auftragslage aufgrund der einzigartigen Produktpalette, was die kommenden Quartale für sehr gute Nachrichtenlage sorgen wird, zumal RIB mit hoher Wahrscheinlichkeit im September in den TecDax aufrücken wird. Deshalb habe ich RIB Aktien auch bereits gestern zu 10,0 € nachgekauft und werde das auch bald bei Muehlhan wieder tun. Auch Steico brachte bereits sehr überzeugende Zahlen, die positiv vom Finanzmarkt aufgenommen wurden. Leider kam die Aktie am Freitag dann auch durch eine StopLoss Welle (wohl aus charttechnischen Gründen) unter Druck. All diese Werte haben einen Dax-Sturz jedoch längst vorweggenommen, ohne das jemand weiß, ob er tatsächlich kommt. Die übergeordneten Risiken sind nicht wegzudiskutieren, aber die Chance auf eine Jahresendrallye sind aus meiner Sicht mindestens genauso hoch, auch und erst recht in deutschen Aktien von diesem aktuellen Korrekturniveau aus. Pfennigfuchser warten im Dax sicherlich den erfolgreichen Test des Märztiefs ab. Da es bis dortin aber nur noch 2% sind, sollten die meisten Nebenwerte ihre Tiefs schon am Freitagvormittag gesehen haben.

Ich werde auf alle Fälle Sorge tragen, hier ein gut diversifiziertes und zu einem Großteil abgesichertes wikifolio auf die Beine zu stellen.  Mit Korrekturen wie der Aktuellen muss jeder Trader und Investor zurechtkommen. Wichtig ist mir, über längere Zeiträume klar den Markt (wie bisher) outzuperformen und den maximalen Verlust zwischendurch für einzelne Investoren in Grenzen zu halten. Jeder muss sich aber im klaren sein, dass mein Anlagestil kein "fast food" ist, sondern auf Nachhaltigkeit und Fundamentalanalyse basiert. Das hat sich mittelfristig bei mir über die letzten zwei Jahrzehnte eigentlich immer ausgezahlt.

Ab jetzt werde ich zudem an jedem zweiten Samstag ein Analyse-Update des wikifolios hier auf dem Blog veröffentlichen.

Liebe Grüße,

katjuscha

Kommentare:

  1. Hallo Herr Geschke!

    erstmal vielen Dank fuer den ausführlichen Einblick in ihre aktuelle Einschätzung der Lage. Ich finde die Idee sehr gut in der Zukunft auch Short Positionen zur Absicherung einzugehen - finde' das das fuer ein langfristig ausgelegtes Finanz "Produkt" einfach dazu gehört um die ein oder andere "negative" Markphase zu umschiffen...

    Wünsche ihnen auch weiterhin ein gutes Gelingen - die Performance der letzten 10 Monate bestätigt ihre Kompetenz!

    Beste Gruesse,

    RS ;)


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  2. Hallo KAT,
    auch von mir mir Danke für die Kommunikation, die Analysen und das Zusammentragen vieler Informationen.
    Beste Grüße aus dem Ruhrgebiet
    SIKA

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  3. Hallo Kat,

    vielen Dank für den Einblick in Ihre Analyse und Ihrem erfolgreichen Wikifolio.
    Ich verfolge schon seit längerer Zeit Ihre Aktivitäten hier im Blog und auf Wikifolio.
    Sie haben mich schon sehr beeindruckt mit Ihren Fähigkeiten und umfangreichen Finanzwissen.
    Was mich sehr interessiert ist, mit welcher Software (Trader, Chart, Screener, etc.) arbeiten Sie,
    um so viele deutsche Nebenwerte zu analysieren und bewerten.
    Bitte um Rückmeldung an Peter.Schwarz@gmx.at

    Mit freundlichen Grüßen
    Peter Schwarz

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    1. Hallo

      also eine Software nutze ich nicht wirklich. Ich glaube eine standardisierte Software macht da auch nicht viel Sinn. Ich verlass mich lieber auf meine eigene Analyse.

      Grüße

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  4. Hi Kat,
    zunächst auch von mir ein riesen Dankeschön für deine zusammenfassenden Worte in deinem Blog!
    Übrigens auch toll, dass Du jede 2.Woche ein Analyse-Update veröffentlichen willst, sodass speziell zu deinem Wiki dem Blog etwas mehr Leben eingehaucht wird.

    Allerdings hätte ich einen kleinen Wunsch an die Statistiktabelle. Wäre es möglich die folgenden Kennzahlen noch in der Excelliste zu ergänzen:

    - EV/OCF
    - EV/FCF
    - Book to bill

    Finde besonders die Cashflow-Betrachtungen sehr wichtig, auch wenn ich weiß, dass es sehr schwierig ist diese Zahlungsströme korrekt einzuschätzen bzw. vorherzusagen. Um den CF zu verstehen ist zwar immer auch eine Analyse der Geschäftsentwicklung sowie der Bilanz und vor allem des Working Capital wichtig und daher auch bei jedem Einzelwert unterschiedlich, aber dennoch fände ich diese Kennzahlen als weiteren Ansatzpunkt in der Übersicht recht hilfreich.

    Grüße Maren

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    1. Hallo Maren

      Die beiden Kennzahlen zum Cashflow habe ich in meiner Tabelle. Wurden nur hier nicht veröffentlicht. book to bill ist leider nur bei den wenigsten Unternehmen bekannt und auch nicht immer aussagekräftig. Hab es deshalb bisher noch nicht in der Tabelle. Vielleicht ändert sich das ja mal.
      Ansonsten wie du schon schreibst ... Cashflow eines Jahres ist meist wenig aussagekräftig. Muss man sich über meherer Jahre anschaun. So eine Statistiktabelle kann daher nur ein erster Anreiz sein, genauer ins Detail zu gehen.

      Grüße

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    2. Super, Danke Kat :-)

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  5. Vielen Dank für die ausführlichen und kompetenten Informationen.
    Ich sehe die aktuelle Marktsituation ähnlich wie Sie. Die kommende Woche im Dow Jones und S&P500, und nicht im Dax, wird den weiteren Trend entscheiden (EMA200 vor allem).
    Der Crash wird wenn nur aus rein technischen Gesichtspunkten eintreffen. Fundamental ist alles im Lot und Alternativen sind auch keine da.

    Trotz allem finde ich es gut wenn Sie das Wikifolio mit Short Hebelprodukten absichern.

    Ich selbst habe es mit einem Short ETF (gehobelt) getan. Es lässt sich deutlich besser damit einschlafen.

    Gruß
    Robert

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  6. Hallo Kat,

    dass Du hier regelmaessig im Blog berichten wirst, finde ich sehr gut. Du kommentierst viel im Forum, allerdings ist es wesentlich angenehmer, die Entscheidungen und Entwicklungen hier an zentraler Stelle nachvollziehen zu koennen.

    Ansonsten viel Erfolg weiterhin. Deine Analysen sind sehr gut nachvollziehbar und fundamental bestens begruendet.

    Beste Gruesse,
    Martin

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  7. Hallo kat,
    schöne Zusammenfassung.
    Ob Du das durchhälst mit dem 14-tägigen Update? Ich bin gespannt.
    Schau doch bitte nochmal auf`s KGV von LS Telcom. Müsste doch deutlich geringer sein, oder?
    Grüße
    Rk

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  8. Guten Tag,

    in turbolenten Phasen, wie es momentan der Fall ist, würde ich mir häufigere Updates bzw. Lageeinschätzungen wünschen.
    Nicht nur alle 14 Tage.

    Viele Grüße

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    1. hallo

      es gibt ja auch in der Kommentafunktion bei wikifolio ein paar Einträge und meine diversen Einträge bei ariva.de unter der ID kautjuscha.

      hier im Blog wäre ein erneutes update nicht wirklich sinnvoll. Das macht nur den Eindruck von Nervosität in solchen Marktphasen. Ich versuch einen kühlen Kopf zu bewahren, auch wenn das nicht einfach ist. Es gibt ja auch nicht viel Neues zu sagen. Oder was möchtest du im Update gerne erläutert haben?

      Grüße

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  9. gibt es kein 14 tage update ?

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